Chillen vor Anker – Martinique – Dominica – Guadeloupe – St. Martin

12.3. bis 18.4.2016

 

Prolog:

 

Heute (ein Tag Mitte April) ist es fast unerträglich heiss, schon am frühen Morgen. Das Meer ist glatt, kein Windchen weht – wir erleben erstmals „ölige See“. Wir liegen in einer Bucht (Grand Case) in St. Martin vor Anker. Auf Gabriels Unterwebsite beschreibt Gabi diesen Morgen.

 

Etwas ändert sich am Wetter. Monatelang kam der Wind aus Osten. Unser Passatwind, der uns so zuverlässig über den Atlantik geweht hat. Gestern kam der Wind nun sogar aus der Gegenrichtung, aus Westen, und hat uns die Weiterfahrt von St. Martin auf die British Virgin Islands (BVI's) nicht ermöglicht. Und heute ist es windstill wie noch nie zuvor. Wir beobachten das Wetter regelmässig, auch die Grosswetterlage. Etwas ändert sich, dies ist spürbar und erinnert uns daran, dass es bald Zeit ist, gen Europa zu segeln. Doch dazu müssen wir noch ein ganzes Stück weiter in den Norden (Bermudas) kommen, dorthin, wo die Ostwinde zuverlässiger wehen und der Golfstrom fliesst.

Oder eine geeignete Lage abwarten, die es ermöglicht, direkt von hier Richtung Azoren zu fahren.

 

Wechselnd wie die Winde ist auch unsere aktuelle Gemütslage. Über Wochen haben wir das paradiesische Leben vor Anker lieb gewonnen. Aufstehen – ins Wasser Springen – Frühstücken – ins Wasser springen – etwas Schule, manchmal mit Trägheit – Baden, Tauchen, Schnorcheln – feines Essen – Lesen - und wieder ins Wasser springen und einfach Sein. So unbeschwert, einfach und schön ist das Leben vor Anker, dass wir doch noch mal überlegt haben, länger zu reisen, ein Jahr anzuhängen, neue Länder kennen zu lernen, unsere schöne Paloma zu geniessen. Nun, wo alles funktioniert und eingeschaukelt ist.

 

Gabriel hat dann aber sein Veto eingelegt - er will unbedingt in die Schweiz und unbedingt nicht mehr segeln und ständig seekrank sein. Das ist zu respektieren, zumal wir immer gesagt haben, dass wir es nicht auf mehrjährige Dauer anlegen, wenn auch nur ein Familienmitglied nachhaltig keine Lust hat oder immer wieder darunter leidet. Ausserdem finden wir, man soll ein Fest verlassen, solange es schön und spannend ist, und nicht erst, wenn es „genügelt“. So bleibt die Erinnerung gut und ein Stück Sehnsucht erhalten. Unsere Reise ist, auch wenn sie oft beschwerlich und anstrengend ist, auch eine Art Fest in der Lebensmitte. Und ein Fest des Familienzusammenlebens. Auch das spricht für eine zeitliche Begrenzung – damit es als Fest in Erinnerung bleibt. Zudem wird uns auch klar, dass dieses karibisch-paradiesische Leben langweilig oder wenig sinnstiftend werden kann. Auch kommt zeitweise die Lust immer mehr auf, den nächsten Lebensabschnitt nach der Reise anzugehen, ihn zu gestalten, nochmals etwas Neues aufzubauen, anzufangen. Es gibt Leute, die nach einer solchen Reise Angst haben, zurückzukehren. Wir spüren, dass wir eher nicht zu diesen gehören, auch wenn wir auch vor der Rückkehr Respekt haben. Aber irgendwie freuen wir uns darauf auch. Und hoffen, dass es uns gelingen wird, den Alltag danach etwas anders zu leben als vorher. Wir werden es sehen. Es entstehen Visionen, noch vage und unkonkret, aber doch spürbar. Trotzdem bleibt auch etwas Wehmut, da sich das Ende langsam langsam abzuzeichnen beginnt. Wobei: es bleiben uns noch fast ein halbes Jahr und wir müssen nicht auf Termine „hinstressen“.

 

Jetzt, wo es so heiss ist, blühen die Phantasien über Schnee und Skifahren in der Schweiz bei den Kindern auf. Heute beim Frühstück sind wir in Gedanken mindestens einmal alle Skipisten in Disentis abgefahren. Das Wasser ist hier eigentlich unsere Wohlfühloase, besonders, wenn der Wind schweigt. Heute ist, anders als sonst, kleines pieksendes Miniplankton im Wasser. Man sieht gar nichts, wird aber bei Berührung brennend gestochen. Mich (Nicoletta) hat es recht erwischt. 

Elias mag im Moment auch nicht ins Wasser. Er hat sich beim Brotbacken vor ein paar Tagen verbrannt. Und dann beim Kuchenbacken noch einmal. Ausserdem ist er gestern beim Klettern fast vom Baum gefallen. Ein Ast ist gebrochen und er fing sich auf, hing dann aber wie ein Kletteraffe am Ast - natürlich mit noch ein paar weiteren Schürfungen. Mit ständigem Salzwasserkontakt wollten diese Schürf- und Brandwunden nicht gut heilen, so dass für ein paar Tage Salbenverband und Luft angesagt waren.

 

Backen und Kochen hat Elias als neues Hobby entdeckt. Angefangen hat es mit Brot. Auf Dominica gab es kein feines Brot und so hat er angefangen, selber zu backen. Inzwischen ist er zu einem richtig routinierten Brotbäcker geworden. Dann hat er sich zusammen mit Toja auch ans Kochen ran gewagt. Sie haben nach einer Nachtfahrt ein tolles Paprika-Tomaten-Gemüsemenü mit verlorenem Ei und frischem Brot gezaubert (nach einem Rezept von Yotam Ottolenghi). Vorgestern hat er sich dann richtig ins Zeug gelegt und mit Toja und Gabriel zusammen selbstgemachte Ravioli mit Tomaten-Käse Füllung bereitet (nach Jamie Oliver). Das war richtiger Hoch-Genuss. Kochbücher wurden über Nacht zu seiner Lieblingslektüre. Toll, wie ein neues Lern- und Erfahrungsthema ohne äusseres Zutun so intensiv aufkeimen kann bei einem Kind.

 

Kochen ist für uns im Moment auch sonst ein wichtiges Thema, da wir kein Fleisch oder Fisch mehr essen. Vor einigen Wochen habe ich (Nicoletta) das Buch „Peace Food“ von Ruediger Dahlke, dem Arzt und berühmten Psychosomatiker, gelesen. Es hat eingeschlagen wie eine Bombe. Er beschreibt in diesem Buch anhand von zahlreichen medizinischen, ernährungswissenschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Studien die verheerenden Auswirkungen des Essens von tierischer Nahrung (auch Milch und Eier!) auf unsere Gesundheit, auf das Weltklima und den Welthunger – und damit auch auf den Weltfrieden. Natürlich beschreibt er auch die unglaubliche Folter der modernen Tierzucht und Schlachterei, das steht aber nicht im Vordergrund. Ich war mir nicht bewusst, dass nahezu alle Zivilisationskrankheiten (Krebs, Bluthochdruck, Gelenkbeschwerden, Alzheimer, etc.) teilweise sehr direkt mit dem Verzehr von tierischer Nahrung korrelieren und dass Milchkonsum mit vielen Autoimmunerkrankungen und Osteoporose (sic!) einhergeht. Tiefergehendes ernährungswissenschaftliches Wissen wird in der Medizinerausbildung sonderbarerweise praktisch komplett ausgeklammert. Es ist halt „nur“ präventivmedizinisches Wissen – und weniger kurativ-heroische Medizin. Zudem hat es grosses wirtschaftliches Sprengpotential – also mächtige wirtschaftliche Gegner in der Nahrungsmittelindustrie UND in der Gesundheitsindustrie (nochmals sic!). Das Buch ist sehr inspirierend geschrieben und hat uns sehr bewegt. Es hat einen tiefen Wunsch berührt, den Wunsch so zu leben, dass man ganz hinter dem eigenen Handeln stehen kann und etwas tut, das auch Wirkung nach aussen zeigt. Ich habe nach dem Lesen einige Bücher runter geladen zum veganen Kochen. Die bisherigen veganen Kochexperimente waren bunt, schmackhaft und erstaunlich abwechslungsreich. Bei „vegetarisch“ zieht die ganze Familie mit. Bei „vegan“ im Moment nur ich (Nicoletta) konsequent; ich experimentiere mit Mandelmilch und Tofu und Nüssen und probiere neue Dinge aus. Die Kinder und Marc-Anton bleiben momentan noch mindestens bei Eiern, Milch, Yoghurt, Butter und Käse.

Grosser Auslöser für die vegetarische Welle war eigentlich Gabriel, der gesagt hat, dass er kein Fleisch mehr isst (einzige Ausnahme sind die Würstchen in Omis Kartoffelauflauf). Ich hatte ihm zuvor mehrmals versichert, dass ich ihn unterstütze, wenn er tatsächlich vegetarisch essen will. Ich hatte schon mal früher eine vegetarische Phase. Damals war die Durchführung verhältnismässig einfach, da ich in einer sehr guten Kantine essen konnte. Jetzt muss ich mich selber damit beschäftigen, wie man für eine ganze Familie auf Reisen abwechslungsreich kocht auch ohne Fisch und Fleisch. Auf Reisen ist es einerseits schwieriger, manche Zutaten zu bekommen. Andererseits ist eine Reise auch ein guter Zeitpunkt, um etwas Neues zu beginnen. Haben wir doch eigentlich den Wunsch etwas zu tun, was über das Plansch-Abenteuer hinausgeht. Die Ernährung umzustellen kann ein kleiner Schritt in diese Richtung sein.

 

Lange haben wir nichts mehr von der Reise geschrieben. Wahrscheinlich da es keine Krisen und spannenden Probleme gab, die im Tagebuch „aufgearbeitet“ werden wollten. Und: der karibische Chill-Modus hatte uns so schön eingeschaukelt, dass das Schreiben vergessen ging. Im Paradies passiert einfach auch nicht so viel. Es lullt ein, entspannt, macht etwas träge. Auf diesem Hintergrund der bequemen Trägheit versteht man, warum diese paradiesische Weltgegend mit ihrem eigentlichen Idealklima und trotz grosser Fruchtbarkeit weder politisch noch wirtschaftlich wirklich aufblüht. Und warum Jimmy Cornell uns gesagt hat: Als aktiver Mensch hat man es hier nach etwa 2 bis 4 Monaten irgendwann „gesehen“. So müssen wir jetzt etwas im Gedächtnis wühlen um die schönen Etappen von Martinique über Dominica nach Guadeloupe und St. Martin einzufangen.

 

 

 

Martinique – Grande Anse d`Arlet, 11.3. bis 15.3.2016

 

Silvester hatten wir auf und mit der SIF in dieser Bucht verbracht. Damals etwas wehmütig und mit einer Prise Selbstmitleid, da wir in der Marina auf die Reparatur des Propellers warteten. Jetzt wollen wir eine der schönsten Ankerbuchten von Martinique für ein paar Tage geniessen, bevor es nach Dominica weiter gehen soll. Der erste Schlag ist somit ein Katzensprung von wenigen Seemeilen mit gutem Wetter und Wohlfühl-Crew, da im Lee der Insel. Eine grosse Schildkröte begrüsst uns in der Ankerbucht. Wir setzen mehrmals an, bis Anker und Abstand zu den vielen Segelboten stimmen. Und dann beginnt der grosse Plansch-Spass. Die Kinder springen vom Schiff, immer wieder. Dann üben sie tauchen. Noch schafft es niemand unter dem 2,20 m tiefen Kiel durchzutauchen. Aber es wird heftig geübt, das Apnoetauchen mit leichtem gezieltem Hyperventilieren vor dem Abtauchen, Druckausgleich beim Tiefergehen und leichtem Ausatmen beim Aufsteigen. Gabriel wird bald der erste sein, der es kann und den Kiel von unten sieht. Gefolgt von Papa, der dabei die Kielunterseite inspiziert (sieht gut aus!).

 

Das Dörfchen in der Bucht ist sehr hübsch und überschaubar. Nur selten gehen wir aber an Land. Am wohlsten fühlen wir uns zu Hause auf dem Schiff. Wir könnten ewig so schaukeln – meinen wir momentan. Eigentlich haben wir uns so halb mit der Deiopeia auf Dominica verabredet. Wir verlängern aber mehrmals um einen Tag, bleiben 5 Tage insgesamt. Chillmodus: zufrieden, etwas träge, recht seelig und bequem. Dieses Lebensgefühl und diesen typischen Groove packt scheinbar – und zumindest vorübergehend – fast jeden in der Karibik. Nur das Ausklarieren ist etwas mühsam. Die Beschreibung im Revierführer stimmt nicht mehr und nach der Anweisung einer netten Dame im Dorf müsste es gleich „hier um die Ecke in Richtung Strand“ sein. Irgendwann verstehen wir aber, dass wir eine Bucht weiter gehen müssten. Ich mache mich mit Elias auf den Weg mit dem Dinghy. Das Büro hat noch geschlossen – zwei Stunden warten in der Petite Anse d`Arlet. Dann klappt das Ausklarieren. Inzwischen haben wir Routine mit den Formalitäten der französischen Zollbehörde, die wirklich elegant und für Reisefreudige sehr bürgerfreundlich organisiert sind.

 

 

 

 

Dominica – Portsmouth, 16.3. bis 21.3.2016

 

Wir fahren die 90 Sm über Nacht. So können wir noch den ganzen Tag in unserer Grande Anse d`Arlet verbringen, bei Nacht dann segelnd den karibischen Sternenhimmel geniessen, und Gabriel kann die Fahrt weitgehend und ohne Brechreiz verschlafen. Wir müssen etwas Motoren im Windschatten der grossen Vulkanberge von Martinique. Kurz vor Dominica kommt dann aber mächtig viel Wind und ich habe Mühe den Windpiloten so umzustellen, dass der Kurs stimmt. Da wir direkt auf die Insel zuflitzen, wecke ich Marc-Anton. Gemeinsam kriegen wir Segel und Windpilot passend eingestellt. Marc-Anton übernimmt die Wache. Morgens schippern wir dann wieder fast ohne Wind vor unsere Zielbucht. Die grossen Berge machen den Wind etwas unberechenbar. Wolkengebilde türmen sich an den Bergen dieser regenreichen Insel.

 

Dann Motoren wir die letzten Meilen. Ein plötzlich einsetzender sehr heftiger Regenschauer begrüsst uns bei Einfahrt, trübt die Sicht bis fast auf Null - und dann begrüsst uns zum Glück „Lawrence of Arabia“. Er kommt mit seinem bunten Motorboot angeflitzt im prasselnden Regen, mit einem Müllsack als Regenschutz und einem freundlichen Lachen. „I am member of PAYS, welcome on our beautiful island“ sagt er und zeigt auf die Aufschrift auf seinem Boot. Wir hatten im Segelführer natürlich über diese Organisation gelesen: Eine vorbildlich organisierte Gruppe von ca. 12 Männern, die alles für den Bedarf von Yachties organisieren, von der Mooring über die Bewachung des Ankerfeldes bis zum Ausflug. Wir sind froh um die Willkommensgeste und die nagelneue Mooring, die uns zugewiesen wird. Die PAYS-Members kümmern sich freundlich und aufgeschlossen um jeden Besucher und versuchen für die Schönheit der Insel zu begeistern. Als der Regen am nächsten Tag nachlässt, bekommen wir auch Lust, eine der angepriesenen Touren zu machen:

 

Eine Fahrt auf dem „Indian River“ in ein Naturreservat, das nur mit Ruderbooten befahren werden darf. Grosse Attraktion ist eine Hütte am Ufer des Flusses, die für den Film „Pirates of the Caribbean“ gebaut worden war. Der Wald, durch den der Fluss führt, ist strotzend-tropisch-grün. Unser Führer kennt sich gut aus mit Pflanzen und Tieren. Wir sehen Vögel und Riesen-Krabben – und ein „echtes“ Plastikskelett aus dem Film mit Leonardo di Caprio! Wir rudern zu einer Waldbar, dem Umkehrpunkt des Ausfluges. Hier treffen sich einige Touristen zum Drink.

 

Dann beschliessen wir mit dem gleichen Führer die Inseltour zu machen, ein Ganztagesausflug mit dem Auto um einige Highlights der Insel zu sehen. Am nächsten Tag übernimmt leider ein anderes Mitglied von PAYS die Führung. Er ist verschlossener, wirkt traurig. Marc-Anton versucht, ihn ein bisschen aus der Reserve zu locken. Er heisst Anselm, ist seit 4 Wochen Vater und scheint damit sehr belastet zu sein. Wir kommen nicht so recht in Kontakt mit ihm. Die Tour führt uns über den nördlichen Teil der Insel zu mehreren Stationen: Einem Kokos-Mann, der uns wunderbare frische Nüsse anbietet, einem Aussichtspunkt mit Souvenir-Shop und einheimischen Produkten, einem kreolischen Restaurant mit gutem Essen und saftigen Preisen, einem Dorf, in dem die letzten Nachfahren der karibischen Ureinwohner (Carib-Indianer mit tatsächlich etwas anderer Physiognomie) leben und Korbflechterei betreiben, einer Mini-Schokoladen-Fabrik mit sehr feiner Schokolade für ca. 5 Euro die Tafel und einem Wasserfall, indem wir ein Bad nehmen. Der Ausflug war zwar interessant, wirkte aber auch etwas „touristisch abgegrast“. Umso kreativer wurden die Kinder dann auf dem Rückweg: Sie füllen den Fonds des klapprigen Toyota Hiace (unser nächstes Wunsch-Traum-Familienauto, die Dinger wirken enorm praktisch, geräumig, robust!) während der 2-stündigen Rückfahrt mit lauter Gesangsimprovisation in mehreren Stimmen – unermüdlich und kreativ. Sogar unser wortkarger Führer Anselm lässt gelegentlich ein verstohlenes Lächeln um die Mundwinkel spielen.

 

Dominica hatte 2014 einen schlimmen Hurrikan-Regen. Wir sehen auf der Inseltour viele zerstörte Strassen. Behelfsumfahrungen sind errichtet, die eigentlichen Strassen bleiben unrepariert. Das Geld fehlt auf dieser freundlichen Insel mit ihren nur 70'000 Einwohnern. Ein Insel-Staat mit halb so viel Bürgern wie Winterthur, aber wirtschaftlich sehr geringer Potenz.

 

So sieht man auch junge Männer den ganzen Tag am Strand unter einem Baum sitzen, rauchend. Wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt, erfährt man, dass sie zwar meist einen Beruf gelernt haben, es auf der Insel aber keine Infrastruktur gibt, um mit dem Beruf Geld zu verdienen. So halten sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Trotzdem ist etwas hier positiv anders als z.B. in Martinique: Die Leute sind stolz auf die Natur und ihre Insel und scheinen ihr touristisches Potential bewusster und nachhaltiger zu nutzen, als auf andern Antillen, was sich in deutlich besserer Sauberkeit, weniger herumliegendem Abfall und einem gewissen Stolz äussert.

 

Die Kinder gehen an einem andern Tag mit den Deiopeaianern auf einen Wandertag. Die Beschreibung der Paradieswanderung findet sich auf Elias' Unterwebsite.

 

Treffpunkt am Strand ist Sandy`s Bar. Ein Kaffee-Restaurant, seit einigen Monaten geführt von zwei Franzosen. Das Internet ist gut, das Essen und die Stimmung auch. Wir geniessen einen Drink. Die Kinder spielen mit den jungen Hunden am Strand, geben ihnen Namen, befreunden sich. Täglich besucht uns der „Mango Man“ am Schiff im lottrigen Kanu, verkauft Mangos und erfragt alte Kleider. An einem Abend organisiert die PAYS-Gruppe einen Grillabend für alle Yachties in der Bucht. Wir diskutieren intensiv mit einer kanadischen Crew über das Schule-Geben, das Leben an Bord, die Karibik und unsere Berufe.

 

Nach fünf Tagen geht es weiter. Mit vielen guten Eindrücken über diese freundliche Insel.

 

 

 

 

Les Saintes - Guadeloupe, 21.3. bis 28.3.2016

 

Hermann, unser Coach und Begleiter der ersten Wochen, hatte uns empfohlen, nach Les Saintes zu segeln, einer kleinen Inselgruppe, die zu Guadeloupe gehört und ein ganz eigenes bretonisches Flair hat. Wir waren sehr gespannt, verbinden wir mit der Bretagne doch viele gute Erinnerungen. In dieser Bucht (Anse du Bourg in den Iles des Saintes) stehen Moorings zur Verfügung und wir sind froh, die einzig freie in unserm ersten Mooringmanöver ohne Hilfe ratz-fatz zu erwischen – wie alte Profis.

 

Es ist ziemlich schaukelig durch Schwell bei nord-östlichen Winden. Morgens beobachten wir dann, dass, sobald eine Mooring in einer vorderen Reihe frei wird, ein anderes Schiff aus einer hinteren Reihe nachrückt. Das passiert dann jeden Morgen: Einige gehen, andere lauern schon und brausen drauf zu – ein lustiges Yachten-Gewusel wie beim Stühlerücken findet statt. Wir bleiben vorerst, wollen uns nicht schon wieder bewegen, sondern in Ruhe das Städtchen und die Gegend erkunden.

 

Und wirklich, wir sind begeistert, das Städtchen hat bretonischen Charme mit kleinen Kunstateliers, Kaffees, Restaurants und Boutiquen, in denen die Designer ihren individuellen Stil tragen und verkaufen. Ausserdem finden wir die beste Gelateria in der ganzen Karibik. Jeden Tag stellen wir uns in die lange Warteschlange. Das Warten lohnt sich!

 

Schön an dieser kleinen Insel ist auch, dass man alles zu Fuss erreichen kann. Wir machen mehrere Wanderungen. Die Kinder haben grosse Freude an den Ziegen, die vielzählig auf der Insel zu Hause sind. Auch zu Ostern machen wir eine grosse Tour (Toja beschreibt Ostern ausführlicher in ihrer Unterwebseite). Toja und Gabriel füttern jedes Zicklein auf dem Weg, während Elias und Marc-Anton schon am Gipfel warten.

 

Uns gefällt es sehr gut. Wenn nur das schwellbedingte Schaukeln nicht so stark wäre. Ich (Nicoletta) fühle mich ganz schummerig und werde langsam gereizt. Darum lauern auch wir an einem Morgen auf eine freie Mooring an besserer Stelle. Und da...! Eine wird frei! Elias flitzt mit dem Dinghy vor, spielt Leinenmarinero und wir kommen nach mit dem dicken Pott. Kaum sind wir fest, wird die nächste Mooring frei an einer noch besseren Stelle mit noch weniger Schwell. Und wir machen das Spielchen noch einmal. Es ist schon erstaunlich, wie „ein wenig Schaukeln“ sehr angenehm sein kann und „etwas mehr Schaukeln“ sehr unwohl machend wirkt. Wir sind zufrieden mit unserem ergatterten Platz in bevorzugterer Lage und bleiben noch einige Tage.

 

Jetzt brauchen wir nur noch Wasser. Schon auf Dominica wurde das Wasser knapp aber es gab keine geeignete Möglichkeit, Wasser zu tanken. Hier ist zwar eine Möglichkeit, aber der Anlegesteg ist für grosse Schiffe gemacht und sehr ungeeignet für uns zum Anlegen. Da warten wir lieber und gehen halt noch sparsamer mit dem Wasser um. Ab heute wird mit Salzwasser abgewaschen – und das bleibt so bis auf Weiteres.

 

Unser nächstes Ziel ist Deshaies im Nord-Westen von Guadeloupe. Dort hoffen wir auf eine bessere Möglichkeit, Wasser zu tanken.

 

Deshaies – Guadeloupe, 28.3. bis 2.4.2016

 

Wir segeln am Tag ca. 35 Sm weiter nach Deshaies. Alle geniessen die Fahrt, auch Gabriel. Dank Scopoderm und einem pflanzlichen neu erworbenen Ingwermittelchen klappt alles gut. Und die paar Atlantikwellen, die zwischen den Inseln durchrauschen, heben unsere Stimmung. Elias singt!

Deshaies ist bekannt für starke Fallwinde durch die dahinterliegende Bergformation. Und die Winde sind wirklich stark. Bis zu 35 Knoten messen wir vor Anker. Wir lassen das GPS lange an um unsere Ankerposition zu überprüfen. Er hält! Wir steckten 60 Meter unserer 13mm-Kette.

 

Für andere wird das Ankern aber zu einem echten Spektakel: Vom Land aus sehen wir am zweiten Abend im Dunkeln ein Schiff ankern, das irgendwie anders aussieht, als normale Motoryachten. Zurück auf dem Schiff erkennen wir, dass es der Zoll ist, der da auf ein geeignetes Opfer lauert. Und prompt: nochmals später, ca. 22h, fährt eine grosse Ketsch rein und versucht, neben uns zu ankern. Die zwei Männer setzen mitten in der Nacht zweimal an. Ich (Marc-Anton) habe kein so gutes Gefühl, finde, dass die Kumpels zu nahe sind für die heftigen Böen, die es hier gibt. Aber wir lassen sie erstmals. Am Morgen weckt mich Gabriel mit lautem Gezeter, ich soll rauskommen. Tatsächlich: das besagte Nachbarschiff liegt nun nur ca. 7 Meter hinter uns, das ist viel viel zu nahe! Ich springe ins Dinghy und fahre rüber zu den „Kameraden“. Versuche 15 Minuten lang, die Crew zu wecken. Endlich taucht einer verschlafen und in alten Unterhosen auf. Ich erkläre ihm unser Anliegen auf englisch, da das eher heruntergekommene grosse Schiff unter englischer Flagge fährt. Nämlich: Dass er bitte dringend umankern soll, zumal wir auch einen Tagesausflug planen und also heute nicht da sein werden. Er will nicht. Er sei hundemüde, sie seien gestern Nacht nach einer 60-Stunden-Fahrt direkt nach dem Ankern vom Zoll bis morgens um 3h gefilzt worden und heute würde das weitergehen. Übrigens könnten wir deutsch sprechen, er sei Deutscher, sein Freund Schweizer. Nicht zufrieden, aber voller Verständnis und etwas verwundert gehe ich zurück auf unser Schiff. Später kommt sein Schweizer Freund aufs Deck. Wir rufen nochmals rüber, es sei uns eigentlich zu nahe und wir hätten Angst vor einem Crash. Nun wacher, sehen die beiden es ein, und beginnen, den Anker hochzuholen. Das gelingt zuerst nicht, die Winsch streikt. Das Schiff treibt bedrohlich nahe auf uns zu. Wir hängen auf der potentiellen Kollisionsseite sofort alle Fender raus und stehen bereit zum Abhalten, immer freundlich grinsend und motivierend zurufend, wir wollen die beiden armen Herren ja nicht plagen. Endlich ist deren Anker oben. Sie irren dann suchend eine Stunde lang in der Bucht umher, bis sie einen bessern Ankerplatz finden. Später treffen wir sie ausgeschlafen, rasiert und in frischen Kleidern. Der Zoll hat ca. 20 Stunden auf ihrem Schiff verbracht und alles von unten nach oben gekehrt... Wir waren froh, dass es nicht wir waren und zeigten viel Verständnis für die beiden.

 

Wir mögen diesen freundlichen Ort. Besuchen den naheliegenden botanischen Garten, in dem hunderte Papageien den Besuchern auf Kopf, Arm und Schulter sitzen um Zuckerwasser aus einem käuflich erworbenen Töpfchen zu trinken. Die Kinder sind glücklich über die bunte Belagerung. Dann beobachten wir, wie ein junger Papagei das erste Mal aus dem Nistkasten kommt und buchstäblich in die Flugschule geworfen wird: er fällt nämlich direkt aus dem Nistkasten auf den Boden und hüpft von da zum Gehegegitter. Beide Eltern begleiten den kleinen Tollpatsch die Gitterstäbe des Geheges hoch. Zum Klettern behilft er sich mit Schnabel und Klauen. An der Decke ist die Abflugrampe. Die Eltern füttern ihn ziwschendurch, stupsen ihn dann an, einer fliegt vor. Dann lässt der Kleine los und fliegt. Plumps... noch ist es mehr flatternder Fall als Flug. Erschöpft bleibt der Kleine am Boden hocken. Dann kommen die Eltern und stupsen ihn zum erneuten Aufstieg und Flug an. Er folgt unermüdlich seiner Natur – bewundernswertes Leben!

Auch grosse Papageien gibt es dort. Einer antwortet sogar „ça va!“, wenn man ihn fragt „ça va Roger?“.

 

Dann machen wir noch eine Flusswanderung. Auf grossen Steinen springen und krakseln wir den Flusslauf aufwärts. Wir haben einen riesigen Spass. Und Marc-Anton staunt wieder einmal in Dankbarkeit, zu was seine Beine und sein Rücken inzwischen wieder fähig sind – und faselt einmal mehr etwas von Vorfreude auf eine künftige Säntisbesteigung. Der Fluss bildet ein Becken, gerade gross genug für ein Familienbad im seidigen Süsswasser. Wochenlang nicht mehr mit Süsswasser gewaschen, sondern immer nur in 27-grädigem Meerwasser, fühlt sich so ein kühles Flussbad wunderbar an!

 

Im Strandkaffee lernen wir Johanna und Willy kennen mit ihrem Baby und zwei etwas älteren Jungens (3 und 12 Jahre). Johanna sucht den Kontakt zu uns, ist sehr interessiert, möchte uns unbedingt einladen zu sich nach Hause. Wir zögern erst, da wir kein Auto haben, um zu ihnen zu fahren. Sie wollen uns abholen, am nächsten Morgen zum Brunch. Sie sagt, sie hätten uns daherlaufen sehen und gedacht, dass wir wohl eine interessante Familie wären, die sie gerne kennenlernen würden. Wir sind sehr berührt und freuen uns. Natürlich sagen wir dann gerne zu und verabreden uns für nächsten Morgen. Schnell backen wir frühmorgens einen Schweizer Butterzopf als Mitbringsel. Willy holt uns ab und wir fahren ca. 1h über die Insel bis zu ihrem Zuhause. Sie leben in einer kleinen, sehr ordentlichen Wohnung in einer Wohnsiedlung. Es gibt keine Spielsachen. Dafür läuft der Fernseher permanent, was für unsere Kinder sehr gewöhnungsbedürftig, für französische Verhältnisse aber recht üblich ist. Johanna und Willy bekochen uns köstlich kreolisch. Zum Apéro gibt es selbst gemachten Mojito. Ich kümmere mich um das Baby, damit der 3 Jährige Halbbruder es nicht zu heftig bekuschelt. Mal wieder ein Baby im Arm! Die andern Kinder gehen mit Willy in den Pool der Wohnsiedlung, während Gemüse, Kochbanaen etc. kochen und Accras im Öl brutzeln. Wir erfahren etwas aus dem Leben der Eltern. Johanna ist 37 Jahre alt und Professorin für Wirtschaft an der Uni. Willy arbeitet in der Lebensmittelindustrie. Die älteren Kinder sind aus erster Ehe von Willy und nur alle zwei Wochen am Wochenende bei ihnen. Irgendwann nach dem Essen kommt eine interessante Sendung im TV und das Gespräch verstummt, die Aufmerksamkeit wird abgezogen, der Nachmittag gehört dem Sofa. Wir hängen hier also tatsächlich und völlig selbstverständlich zu Zehnt auf einem grossen Sofa ab - in einer Dreizimmerwohnung mit einer Goudalouper Patchworkfamilie mitten am Nachmittag - und schauen fern. Auch eine Erfahrung! So finden hier offenbar Besuche statt. Willy fährt uns dann wieder in unsere Bucht. Wir sind sehr dankbar über die Begegnung. Gleichzeitig bleibt ehrlicherweise ein gewisses Befremden zurück durch die Eigenarten eines so völlig anderen Familienlebens.

 

 

 

 

St. Martin – Marigot Bay, Grand Case, Anse Marcel, 3.4. bis 18.4.2016

 

Sören von der SIF hat geschrieben: „Kommt nach St. Martin, wir sind zwei Wochen hier für Reparaturen und freuen uns auf einen Drink mit Euch!“ Warum eigentlich nicht? Wir haben Lust, die SIF zu sehen und entschliessen uns, Antigua und Barbuda auszulassen und über Nacht einen langen Schlag nach St. Martin zu machen. Leider leidet Gabriel wieder ziemlich. Mit dem zweiten Scopoderm-Pflaster wird es besser, die Sehstörungen nehmen wir einmal mehr in Kauf.

Irgendwann gegen Abend fängt der Windpilot an zu zicken. Das freut uns nicht, da wir nicht mit dem elektrisch-hydraulischen Autopiloten fahren wollen. Den wollen wir uns aufsparen für allfälliges Motoren im Atlantik. Marc-Anton inspiziert und schraubt ab unter voller Fahrt; die Querstangenhalterung für die Leinenführung ist gebrochen. Nicht schön, eindeutig zu schwaches Material bzw. technisch suboptimal konzipiert, da die Querstange selbst, die die eigentliche Belastungssollbruchstelle sein sollte, überhaupt nicht verbogen ist. Aber wie so oft: das Problem lässt sich lösen, es führt sogar zu einer einfacheren Konstruktion: Marc-Anton entfernt die Querstange komplett. Und Elias hilft dabei, eine alternative Leinenführung auszutüfteln und zu installieren. Damit werden wir in Zukunft fahren, die gelungene Nachtfahrt zeigt, dass das neue Konzept auch ok ist.

 

Elias und Toja bekochen uns nach Ankunft am Morgen mit oben beschriebenem Ottolenhgi-Menu – einfach göttlich! Dann sehen wir die Deiopeianer und nach etwas Suchen auch die SIF-ler. Grosses Kindertreffen – Wetttauchen und Kunstsprünge werden geübt.

 

Wasser brauchen wir jetzt aber wirklich dringend, es sind nur noch einige Liter im Tank (Trinkwasser haben wir einige hundert Liter in Flaschen). Auch in Deshaies waren wir erfolglos gewesen mit dem Wasser. Jetzt wird es höchste Zeit. Laut Seekarte sind die Anlegestellen im Kanal zur Lagune zu wenig tief für unser Schiff oder zumindest sehr knapp. Ein zweites mal Aufsitzen wollen wir auf keinen Fall. Sören empfiehlt uns, mit Dinghy und einem Lot die kritischen Stellen zu rekognoszieren. Das ist uns aber doch zu umständlich. Nachdem die Deiopeia in der Marina Wasser bekommen hat, wagen wir es auch (die sind mit 2,70 m Tiefgang noch tiefer als wir). Mehrere Stunde liegen wir am Dock, bis unsere Paloma mit Wasser und Diesel wieder richtig satt ist. Die Tankwarts erledigen in der Zeit die wichtigsten karibischen ToDo's: am Handy rumtippen, ein Nickerchen machen, Mittagessen und ein paar freundliche Schwätzchen. Dass wir so lange brauchen, ist kein Problem: „Don't worry, take your time“. Marc-Anton hat wie immer, wenn Vorräte aufgefüllt sind, danach ein „saugutes Gefühl“.

 

St. Martin ist ein mächtiges Einkaufsparadies für Touristen. Ein Teil der Insel ist holländisch und zollfrei (z.B. Philippsburg). Dort halten die grossen Kreuzfahrtschiffe, überfluten die Stadt für einige Stunden, kaufen noch mehr Dinge, die niemand braucht, und fahren dann wieder weiter. Bei uns war es auch kurz Thema, ob wir nicht mindestens noch ein weiteres I-Pad brauchen oder sogar ein drittes? Die Kinder lesen viel auf unserem einen, von der Grossmama geschenkten, I-Pad und streiten sich so manches Mal darum. Dann entscheiden sich die Kinder doch dagegen; sie hätten einen Teil von ihren eigenen Geldreserven hergeben müssen. Das war es ihnen dann doch nicht wert. Ohne Kreuzfahrtschiffe und an einem Sonntag ist die „Stadt“ Philippsburg – eine zweistrassige Einkaufsmeile - wie tot. Wenige Spielcasinos haben geöffnet und die dutzenden Juwelier- und Uhrengeschäfte sowie die vielen Luxusboutiquen bleiben geschlossen. Eine kleine Surfer-Style-Boutique ist aber doch offen und die Jungen finden je eine tolle Badehose. Ganz ohne Shoppen geht es auch bei uns nicht.

 

Marigot im französischen Teil der Insel ist weniger Luxusmeile. Aber auch hier herrscht Grossstadtflair. Ein riesiger Supermarkt lässt uns staunen; wir finden Dinge wie Ahornsirup und Biomehl. Ansonsten hat es ein gutes Angebot an Schiffsbedarfsläden. Doch von Reparaturen haben wir genug - Bedarf gestillt.

 

Wir verbringen Zeit mit der SIF - die Deiopeia ist schon weiter auf die BVI's gefahren. Wir laden uns gegenseitig ein, schwimmen von Schiff zu Schiff, leihen DVD's, tauschen uns aus.

Dann wollen wir auch weiter auf die BVI's. Das Schiff ist betankt, die Crew ausklariert, die Kühlschränke voll, die Vorräte aufgefüllt. Die BVI's sollen so teuer sein, dass wir schon hier die Vorräte für die grosse Überfahrt zurück nach Europa aufstocken. Doch dann laden wir aktuelle Wetterdaten – Windstille oder leichter Wind von der Gegenrichtung ist angesagt. Das gab's noch nie! So kommen wir nicht weit. Entweder wir motoren 90 Sm oder wir suchen uns eine hübsche Bucht und warten dort auf bessere Winde. Wir entscheiden uns für Letzteres, klarieren wieder ein und Motoren 4 Sm weiter in die Bucht Grand Case. Schon bald wird die SIF uns folgen. In dieser schönen Verweil-Bucht mit nettem Städtchen lässt es sich vortrefflich für einige Tage leben, bevor es dann auf die BVI's weiter gehen soll. Der Wind bleibt aber aus...

 

Also, dann halt nochmals ein Schläglein und eine Bucht weiter: 3 Sm in die Anse Marcel. Auch gemütlich, noch kleiner. Und hier fällen wir eine Entscheidung, an der wir lange herumstudiert und die wir auch mit andern Crews immer wieder diskutiert haben: zurück via die Bermudas oder direkt auf die Azoren von hier aus? Wir entscheiden uns für Letzteres - zumindest momentan ;-): wir wollen von hier oder nahe von hier aus versuchen, die Azoren direkt anzusteuern, wenn das wettertechnisch gehen wird. Mit einer guten Wetterberatung, genug Diesel im Tank und wenn möglich ohne Sturmwinde. Obenrum scheint uns zu potentiell-stürmisch, zeitaufwendig und teuer. Zumal die Bermudas nicht mehr extrem sehenswert sein sollen. Der direkte Weg wird inzwischen von vielen Crews genommen, auch von Jimmy Cornell empfohlen und von dem befreundeten Skipper Udo empfohlen. Auch andere Crews überlegen sich das so. Wir sind selber gespannt, ob es bei diesem Plan bleiben wird. Das heisst, die nächsten Tage oder wenigen Wochen werden wir uns langsam an die Vorbereitungen für die Rückfahrt machen müssen. Wir freuen uns aber auch darauf, auch wenn die Fahrt von West nach Ost möglicherweise unangenehmer werden kann, als es die Fahrt von Ost nach West war.

 

Das heisst noch einige Zeit hier in der Gegend bleiben. Und vorerst St. Martin noch etwas genauer erkunden und erwandern. Unter anderem soll es hier einen Wald voller Affen geben! Ein Wald voller Affen, das sind wir zwar manchmal selber, wollen aber auch mal sehen, wie das aussieht mit komplett behaarten Verwandten!