Kiel, Kiel und immer nur Kiel

 

vom 22. Mai bis zum 23. Juli 2015

 

Es klopft am Schiff, 8:00 morgens, der erste Handwerker steht da. Schnell baue ich unser Bett um, Matratze weg, Decken zur Seite. Das Steuerrad hat noch Spiel und muss gerichtet werden. Ausserdem kommt schmieriges Wasser an der Stelle rein, wo das Steuerrad oben ist und unsere Köpfe beim Schlafen unten sind. Bei jedem Regen schnell Lappen (helvetisch = Lumpen) an die Stellen stopfen. Das Schiff ist ein Baby - unser neues Baby. Es lässt Wasser und Öl an allen möglichen Stellen und will gewickelt, gestreichelt, gehätschelt werden. Wir lernen jedes Geräusch zu deuten. Dass das Baby "gewickelt" werden muss ist zwar unangenehm, gehört aber scheinbar dazu.

 

Langsam schälen sich alle aus den Betten. Marc-Anton zuerst, weil zuständig für Handwerker. Ich als zweite, weil zuständig für Kaffee und Ovi (Ovomaltine gibt es seit der Schweiz nicht mehr, wir sagen zur heissen Schokolade aber immer noch Ovi). Manchmal denke ich "oh Gott, ich will keine Handwerker mehr sehen, ich bleibe jetzt einfach im Bett liegen". Dann mach ich das, was eine ordentliche Mutter macht.  Aufstehen, Kaffee und Ovi machen und dann bewegen. Also gehe ich von Steg 12 bis Steg 1 Joggen und mach noch Übungen auf dem Spielplatz- manchmal jedenfalls.

 

Nach dem Frühstück kommt die Schule dran, da ist es dann schon meist 9 oder 10h. Nach der ersten grossen Schulkrise haben die Kinder einen Stundenplan erstellt. Erstes Fach ist - je  nach Wochentag- Singen, Sport oder Zirkus. In die Aufrechte kommen, bewegen - auf dem Schiff ist alles beengt, viel im Bücken, Knien. Bewegung um klar im Kopf zu werden. Zirkus ist neues Ziel, wir planen eine Aufführung für das Abschiedsfest - Toja lernt Einrad fahren, Elias Bälle jonglieren und Gabriel mit dem Diabolo. Ich mach Hula Hoop Tanz, die meiste Zeit Stütze ich jedoch Toja ab beim Einrad Fahren. Jetzt kann sie schon vom Hafenmeister bis zum Steg 12 fahren - super! Dann kommt Mathe, Englisch oder Französisch oder Sachkunde. Hauptfächer sind einfach. Die letzten Schulbücher hat die geliebte Lehrerin von Elias, Ruth aus Wetzikon, noch zugeschickt - ich hatte etwas vergessen. Da kann man einfach von Seite zu Seite gehen und die Kinder müssen die Aufgaben machen. Mathe ist am einfachsten - weil am klarsten. Schwierig bei Mathe ist nur, wenn ich es selber nicht genau verstehe - schriftlich Teilen, wie ging das genau? Die Bücher sind aber ziemlich gut. Ich komme wieder druuss, wie wir Schweizer sagen, wenn neudeutsch gemeint ist: ich check’s wieder. Englisch ist auch gut, da habe ich einen  deutlich Vorsprung vor den Kids. Wir machen viel Konversation. Erst müssen sie Vokabeln lernen, dann unterhalten wir uns auf Englisch über ein Thema. Gabi hatte anfangs Riesenkrise und meinte, er könne das nicht, er sei erst in der zweiten Klasse und da müsse man keine Vokabeln lernen und schon gar nicht schreiben. Dann hat Toja ihm geholfen und die Vokabeln säuberlich aufgeschrieben und nach 30 min Gequengel hat sich der arme 2.-Klässler doch bereit erklärt, ein paar Worte zu lernen. Wenn keine Lust da ist, dann wird es richtig schwer; keine Klassendynamik und keine strenge Lehrerin. Ich kann es nicht erzwingen. Einmal habe ich gesagt, sie müssen dann ihr Kram selber machen, ich streike. Dann haben sie aber doch Sorgen bekommen und sich entschuldigt und den Stundenplan gemacht und waren dann ganz lieb am nächsten Tag. Eine dänische Familie haben wir getroffen mit 3 Töchtern. Sie machen Transatlantik für ein Jahr (Schiff Siv). Toja hat erst mit den Mädels Topmodel gezeichnet und dann immer mehr auf Englisch geredet. Am nächsten Tag hat sich Elias auch getraut. Gabi blieb ziemlich stumm aber im Spiel dabei. Englisch flutscht, ich bin mir sicher, dass es gut kommt. Französisch haben wir auch begonnen. Elias hatte Französisch zu seinem schlimmsten Fach erklärt und Gabi und Toja hatten noch kein Französisch in der Schule. Wenn ich schon unterrichten muss, dann für alle. Gabi fand das erst völlig daneben, da er wie gesagt erst 2.-Klässler ist und das „gar nicht geht, 2 Sprachen auf einmal zu lernen“. Dann hat er aber doch mitgemacht, da ich mit "the grooves" angefangen habe. Lernprogramm mit grooviger Musik und Rollenspielcharakter. Elias fand es auf einmal auch ganz cool - das war natürlich unterstützend für mich.

Sachkunde - Thema Fisch. Kinder hatten mit Angeln begonnen, Gabi hat beim zweiten Mal gleich einen grossen Dorsch (50cm) als Erstfisch rausgezogen. Dann viele Heringe. Später Besuch im Aquarium des maritimen Forschungsinstituts in Kiel. Da muss man ja didaktisch was draus machen. Fisch bestimmen- Dorsch, Grösse Rückenflossen, Kinnbart - dann malen - dann Wissenssätze dazu raussuchen und aufschreiben (jeder so viele wie er alt ist). Elias soll sich mit Kiemenatmung beschäftigen, hatte ihn interessiert. Oder hatte ich ihm gesagt, dass er sich dafür interessieren sollte? Dann suche im Buch. Internet funktioniert soooo langsam, unbrauchbar für Recherchen. Wie ging das mit der Kiemenatmung? Kann mich nicht erinnern, das mal gelernt zu haben. Aber ich bin ja Ärztin, sollte also klar kommen. Lese mit Elias zusammen, erkläre ihm das Prinzip, dann wieder malen, beschriften und beschreiben und erklären.  

 

Das Schwierigste ist einen Ort  zu finden, wo schulische Konzentration möglich ist. Im Schiff sind Handwerker, auf dem Spielplatz ist  es oft so windig, dass Blätter fliegen. Unser Lieblingsbaum ist eine Kiefer, oben im Wipfel wie ein Vogelnest und windstill. Der Platz zwischen den Ästen in 6m Höhe ist durchaus geeignet für Singen und Reihen abfragen in Mathe. Aber auch nur kurz, da unbequem. Beim Hafenmeister ist es Wind- und Regen-geschützt. Da kommen aber ständig Leute vorbei, die ihr Toilettenkärtchen verloren haben. Konzentration auch da nicht einfach.  Nach 2 Stunden ist die Schule vorbei.

 

Dann Mittagessen - Brot und Obst und Käse und Fleischsalat (Lieblingsessen in Kiel). Dann wieder Handwerker, die To Do List von Marc-Anton nur noch 15 Seiten lang. Toiletten-Pumpe , Motor, Navtex, Generator, Segel, Steuerhydraulik (Danke Martin für die Analyse unseres Systems, die uns ermutigte, dies auch noch zu reparieren!), etcetc. Die Handwerker kommen immer wieder - fast alle werden zu Freunden. Schöne Erfahrung.

 

Dann gibt es da noch die richtig dicken Freunde: die Familie von Birgit mit Victor, Theo, Peter und die Familie von Bille mit Stephan, JoJo und Paula. Mit ihnen haben wir in den letzen 1.5 Jahren viele guten Stunden verbracht. Viel Unterstützung bekommen. Wir sind sehr dankbar. Jetzt, da wir im Hafen Stickenhörn wohnen und sie in Strande, sehen wir uns leider nicht mehr so oft.

 

Das Schiff mit all dem, was gemacht werden muss, hat einen starken Sog. Es kostet Kraft, weg zu gehen, man bleibt hängen, immer gibt es etwas zu tun. Besonders Marc-Anton muss ich manchmal zwingen, aus dem Motorraum raus zu kommen. Als das Wetter besser wird, treffen wir uns öfters am Strand, beim Leuchtturm in Falkenstein. Das ist schön. Da habe ich dann auch meinen Hula Hoop mitgenommen und geübt. Im Bikini und mit Sonnencreme hält der Reif auch richtig gut und ich bin dann grad 2 Nummern besser. Das Wetter war aber meistens nicht so sonnig. Es gibt 30 Grad am Wochenende - 15 am Samstag und 15 am Sonntag - kleiner running gag in der Gegend. Vielleicht an 7 Tagen gab es Badewetter. Sommer gibt es wohl dieses Jahr erst im September in Spanien oder so.

 

Segeln hätte man können, die meiste Zeit war genug Wind. Wir hatten an 2 halben und 2 ganzen Tagen Frieder bei uns. Er sollte uns helfen auf unserem Schiff Segeln zu lernen. Wie macht man das mit 2 Masten beim Wenden? Wie funktioniert das Reffen. Und die Hafenmanöver mit einem fast 16m langen und 27 Tonnen schweren Schiff ohne Bugstrahlruder sind ein echter Nervenkitzel. Je nach Wind verdreht es das Schiff in der Box. Dann werden die Davits (Kranen am Heck fürs Dhingi) zu Spiessen, die die Nachbarschaft gefährlich bedrohen. Frieder ist super, so lustig, didaktisch ein Ass und liebevoll und ein toller Seebär mit richtigem Bart. Die Kinder lieben ihn, sitzen ihm bald auf dem Schoss. Und wir sind dankbar und glücklich und kriegen das Schiff langsam in den Griff.

 

Dann gehen wir ein paar Mal Segeln, aber längst nicht so oft wie es Elias und ich gerne hätten. Es gibt einfach so viel zu tun oder der Wind passt nicht oder wir sind alle zu schlapp.

 

Dann kommt das Schiff auf Slip - rausgezogen, in Schieflage auf einer Rampe der lokalen Werft. Unterwasserschiff streichen, Propeller frei machen von Muscheln, Motor revidieren. Immer wieder Elektrik. Und Elektronik (das sind 2 verschiedene Dinge!). Der verschollene Elektroniker meldet sich, war zuvor Wochen nicht zu erreichen. Handyfehler oder so - unsere Nummer gefressen, da wir Ausländer sind. Alle sind auf einmal da. Segelpersenning neu. Und immer wieder auch Onkelchen – Hans-Dietlof – der ältere Bruder meines Vaters. sein ganzes Leben besteht aus Schiffen und Schiffstechnik. Unendlich viel Erfahrung, immer etwas zu reparieren, immer tätig. Er hilft, wenn wir ihn brauchen. Er hat unser Schiff über das lange Vorbereitungsjahr betreut, als wir noch nicht los konnten. Eine echte nordische Bootsmannsseele. Danke Onkelchen für deine Unterstützung. Wir haben es geschafft loszukommen, auch durch deine Hilfe!!! Und durch die Hilfe so vieler anderer lieber Menschen!

 

Abwaschen wird richtig schwierig auf Slip, da kein Wasser abfliessen darf - sonst tropft es unten bei den Handwerkern auf die Köpfe. Alle Teller also einpacken in einen Plastiksack, am Seil 5m runter lassen, dann mit Trottinette (=helvetisch Kickboard) zum Hafenmeister fahren (250 m), dann dort auf der Toilette abwaschen, dann zurück. Mit so Tüddelkram kann man den ganzen Tag verbringen ohne etwas getan zu haben. Diese Arbeit übernahm ich meist, Marc-Anton ist voll mit dem Schiff beschäftigt. Wir hatten in unserem Beziehungsleben noch nie eine so klassische Aufgabenteilung. Vielleicht nur die Monate nach der Geburt der Kinder. Jetzt ist es sein Baby und er hat alle Sinne und alle Konzentration bei der Paloma. Als wir auf Slip waren, war auch die Kieler Woche - mit viel Regen natürlich. Wir sind abends meist nach Kiel gefahren und haben mit den Kindern Party gemacht. Konzerte (Soulfingers, Laing, Alice Francis). Marc-Anton und ich konnten so richtig abtanzen, die Kinder auch - so cool. Marc-Antons Eltern waren auch in der Woche bei uns (gewohnt haben sie im Hotel) mit Freunden Angelika und Kurt. In der Woche haben wir mit Ferien begonnen und Ausflüge gemacht, mit Schiff raus, gut essen gehen

 

Und dann auch unsere Abschiedsparty mit viel zu kaltem Bier (der Kühlschrank wird so richtig kalt und kann auch gefrieren, war nicht Plan, ist aber mit Bier passiert!). Als Willkommensdrink gab es für jeden eine Paloma, unsere gute Laune-Bordlimo. Wir haben schon überlegt, ob wir die Firma für Sponsoring Anschreiben sollen. Ein schönes Spinnacker- oder Besansegel in den Palomafarbtönen würde mir gut gefallen. Norbert, unser allerbester und einziger Elektriker, hatte selbstgeräucherten Lachs mitgebracht, super fein. Dann gab es noch alle möglichen Fisch- und Krabbensalate und Grünsalate und Brot und Schoggimousse und Erdbeeren. Alle waren sie da, fast alle. Onkelchen mit Renate, Bille und Birgit mit Familie, Nobi und Nathalie mit Franziska, die tollen Segelmacherinnen, die uns richtig ans Herz gewachsen sind. Alle guten Bilder vom Fest hat Franziska gemacht. Ich hätte das Fotografieren mal wieder völlig vergessen. Danke Franziska! Ja, ich weiss, ich habe dir versprochen, endlich mal ein paar Bilder in den Blog zu stellen. Ich gebe mir Mühe. Das Fest war total schön für uns. Wir hatten in der Schule eine kleine Zirkusnummer einstudiert. Es gab dabei eine Megakrise bei den Kindern, weil sie sich nicht einigen konnten, wer was bestimmen darf betreffend Choreographie. Und mehrere Lieder vorbereitet und auch ein Lied selbst gedichtet – den Paloma-Boogie.

 

Es fühlte sich gut an, etwas zurück zu geben an die Menschen, die uns so verlässlich unterstützt haben. Höhepunkt des Abends war dann die zweite von allen Kindern improvisierte Zirkus-Tanz-Show. Ich musste richtig staunen über die lässige Inszenierung mit Show Effekt und cooler Musik. Mit so einem schönen Abschied kann man richtig satt werden und dann auch loslassen um zu neuen Ufern aufzubrechen.

 

 

Aufbruch und Brüche im Motor - Kielkanal bis Cuxhaven

 

Vom 23.7 bis 1.8.2015

 

Unsere Freunde Hermann und Sandrine sind seit dem 21.7. bei uns an Bord. Hermann kommt aus Österreich, Marc-Anton hat ihn bei einem Funkerkurs kennen gelernt. Sandrine, seine Partnerin, lebt in Nordfrankreich und spricht perfekt Deutsch da Deutschlehrerin an einem Gymnasium in Dunquerque. Unsere Paloma ist ursprünglich für ein Paarleben konzipiert und hat nicht so viele Schlafkabinen (aber eine grosse Wekstatt!). Wir ziehen um auf den Salontisch, der ist als Bett tiefer gelegt. Ich habe eine nicht ganz kleine Krise, als ich mein Schlafzimmer freiräume, habe das Gefühl jetzt kein Eckchen mehr ganz für mich zu haben. Das neue Bett entpuppt sich aber als ein schönes Familienkuschellager. Passt - wie Hermann sagen würde. Am Tag vor der Abreise mache ich noch Fugen an den Püttings dicht und auf dem Teakdeck. Es ist mein Job und inzwischen habe ich den Dreh ganz gut raus. Elias hilft mir gerne und ausdauernd und manchmal auch Gabi.

 

Abends liegen auf einmal Nobi und seine Frau Susanne mit dem Motorboot neben uns, sie bleiben über Nacht im Hafen und werden uns am andern Morgen, dem Tag der endgültigen Losfahrt Geleit mit Fotoshooting auf der Kieler Förde. Dann kamen an dem Vorabend auch noch Nathalie und Franziska, haben die letzten überarbeiteten Segel gebracht und so waren wir 11 Leute. Noch ziemlich viel Bier von der Party im Kühlschrank, das muss weg, inzwischen mit bester Temperatur. Der Abend wurde richtig nett und rund - ein toller Abend mit tollen Freunden. Am nächsten Morgen war auf einmal Birgit da, in letzter Minute. Ein paar dicke Umarmungen, verdrückte Tränen und dann löste sie die Leinen. Birgit ist der erste Mensch in Kiel, der für uns richtig wichtig war. So war es auch schön, dass sie uns "abnabelte".

 

Im Nord-Ostsee-Kanal legten wir ein gutes Anlegemanöver hin und bestaunten die Riesen-Pötte, die an uns vorbei rauschen. Bis Rendsburg ging die erste Etappe - soweit alles gut. Am nächsten Tag Aufbruch um 5:00, da lange Strecke bis Cuxhaven. Es regnete draussen. Marc-Anton machte regelmässig Motorraumcheck, da Vertrauen in Maschine noch wackelig. Beim 2. Kontrollblick: es regnet nicht nur draussen, sondern auch im Motorraum!!! Wasserprobe schmeckt leicht salzig, nicht heiss. Wasser spritzt überall. Wahrscheinlich Impeller bzw Kühlswasserpumpe meinen die Männer. Dank Hermanns ruhiger Art bricht keine Panik aus. Ich steuere. Sofort Anruf bei Paul, unserem Motorenfreund. Paul rät im Nord-Ostsee-Kanal (international = Kiel-Kanal) anzulegen, da wir für Autofahrer noch in der Nähe sind. Das machen wir sogar im forschen Rückwärtsgang. Wir landen in Burg gleich bei einer Fährstation. Ein Mechanikerkollege von Paul kommt nach 3 Stunden. Impeller kaputt, war zu gross, wurde vor einem Jahr gegen ein falsches Modell ausgewechselt, was jetzt leider die Seewasser-Pumpe undicht gemacht hat. Da braucht es eine neue. Wir stehen da, melden per Funk unser Unglück an die Kanalüberwachung und sind froh, dass wir uns nicht abschleppen lassen müssen, sondern liegen bleiben können in Burg bis Problem gelöst. Hermann und Marc-Anton pumpen und putzen mühselig alles Wasser aus der Bilge. Wir streunen durch die Gegend, Gabi lernt alle Hunde und deren Besitzer kennen, man kommt ins Gespräch.

 

Beim Essen im Fährhaus kommt ein netter Mann auf uns zu und sagt: „Guten Abend, ich bin die Presse“. Und dass er von uns gehört hat und uns am nächsten Tag für ein Interview mit Fotos besuchen will. Wir seien seit 25 Jahren das 3. Schiff, das in Burg anlegt. Die ersten zwei seien haveriert und gesunken. Wir haben wirklich nicht vor, das gleiche Schicksal zu erleiden wie unsere Vorgänger und willigen ein. Bis auf die Kleinigkeit, dass im Artikel aus der Kühlwasserpumpe eine Lenzpumpe wurde, sind wir über den Artikel sehr amused.

 

 

 

Dann geht es weiter: Seite an Seite mit den Containerschiffen. Bis zur Schleuse, da stehen wir als erste, getrauen uns dann aber nicht reinzufahren da nur wenig Platz ist neben einem dicken Pott und warten was die anderen Kleinen machen. Alle fahren rein, jetzt haben wir auch Mut. Gasse ist aber leider jetzt voll – mutige Tellerwende in der Schleuseneinfahrt - Bravo Marc-Anton! – und weiter warten. Jetzt wissen wir es besser. Nächstes Mal geht's direkt rein; eine riesige Schleuse für uns und ein einziges anderes Sportboot allein. Nordsee wir kommen. Das Wasser in der Nordsee bzw. hier noch Elbe wirkt schon ganz anders als das Wässerchen in der Ostsee (oder im Ostsee, wie gewisse Kieler sagen). Wir fahren bis Cuxhaven durch unter Maschine.

 

In Cuxhaven erleben wir den ersten richtigen Sturm. In der sicheren Marina hören wir, wie Wind in Wanten pfeift und am Segel eines anderen Schiffes zerrt bis es rausrauscht und zerreisst. Hilfe kam zu spät, Segel kaputt. Wir wollen weiter - eigentlich Richtung Texel mit Halt in Borkum, da dort der beste Freund von Gabriel in den Ferien ist. Wir sagen zu, dann merken wir, dass unser Schiff zu gross ist für den Hafen Borkum. Hatte Hermann gleich vermutet. Jetzt habe ich Büblein aber schon versprochen den Freund zu treffen, Vorfreude seit Wochen. Setze alle Hebel in Bewegung und fahre mit Kind im Zug 4.5 Stunden nach Emden und gleiche Zeit zurück um Freund für 4 Stunden zu treffen. Alles für 24 Euro Niedersachsenticket! Endlich Zeit zum Lesen und schreiben. Zugfahren ist super.

 

Weiter warten auf günstigen Wind. Immer zu viel oder auf die Nase - wir warten und treffen Freunde. Die Crew von Anne kommt nach Atlantiktörn zurück mit ihren 3 Kindern (Stefan, Anette mit Lasse, Nele, Torge). Wir hatten sie letztes Jahr in Hamburg verabschiedet bei unserer letzten Fahrt nach Kiel, kurz vor dem Rückenfiasko von Marc-Anton. Jetzt haben sie ihre Reise beendet und wir starten erst.

 

Marc-Anton ist immer wieder im Motorraum. Seine Kammer des Schreckens wird langsam zu seinem Lieblingsort und Gymnastikraum. Irgendwo leckt Öl, er wird es finden. Und da, jetzt sieht man es. Schraube bei Einspritzdüse Nr. 4 nicht richtig angezogen. Marc-Anton kann es reparieren und ist superhappy. Dann muss er die Rücklauf-Dieselleitung wieder anschrauben Dabei passiert das Unglück, weil er zu fest anzieht, Schraube bricht, Düse frisst Gewinde. DAS kann er jetzt nicht mehr selbst reparieren, jetzt braucht es schon wieder einen Handwerker. Das macht Marc-Anton ziemlich missmutig bis der Handwerker wieder alles repariert hat. Und zur Sicherheit 2 reserveschrauben dieser Spezialsorte da lässt für das nächste Mal.

 

Wetterbericht sagt weiter Wind aus falscher Richtung an und zu viel, wir warten, waschen Wäsche, Leben ein bisschen in Cuxhafen, gehen in Ausstellungen (Windstärke 10 und Hapag-Halle/Amerika-Anleger Steubenhöft), in die Bibliothek. Machen Wattwanderung, gehen in Fischhalle.

 

Am Samstag, da soll der Wind drehen, da wollen wir los (1. August!). Jetzt haben wir auch Lust einen grossen Schlag zu machen. Je nach Wind bis Texel oder sogar weiter. Das wird unsere erste Nachtfahrt mit Schiff, ich freue mich und Stugeron liegt bereit.