Marc-Anton, Skipper:

 

Wer bist Du?

Weiss man, wer oder was man ist? Gnothi seauton, das war lange mein Leibspruch. Steht in Delphi am Orakelheiligtum und heisst: erkenne Dich selbst. Und das ist immer noch meine Aufgabe mit mir selbst.

 

Ein konventioneller Versuch: ich bin 47, Vater von 3 Kindern, Ehemann, Skipper, Arzt, Gesundheitsökonom und Verwaltungsmanager. Freischaffender Berater, ehemaliger Geschäftsführer mehrerer kleiner Unternehmen, Projektleiter. Bin ich das wirklich? Ich würde eher sagen: ich bin einer, der offensichtlich gerne aufbaut, Dinge anpackt, von denen er am Anfang manchmal nur wenig versteht, daraus etwas entstehen lässt und sich engagiert und ausdauernd einsetzt. Immer wieder auf der Suche nach sinnvollem Tun und Leben. Beruflich sind meine Haupterrungenschaften der Aufbau zweier Organisationen im Schweizer Gesundheitswesen, deren Aufgabe war, die Gesundheitsversorgung qualitativ besser, patientenorientierter und sicherer zu machen. Die zweite Organisation (Patientensicherheit Schweiz) wurde in den 10 Jahren meiner Aufbauarbeit ein international angesehenes Non-Profit-Unternehmen im Dienste der Patienten, des Gesundheitswesens. Darauf bin ich stolz. Und auf meine Familie !

 

Was bedeutet diese Reise?

Die Reise wurde zu einem wichtigen Projekt in der Lebensmitte. Irgendwie war sie eine Notwendigkeit. Was sie bringen wird, kann ich erst am Schluss sagen. Jedenfalls sind es nicht – wie kürzlich jemand meinte – grosse Ferien. Es ist nicht nur Zuckerschlecken. Ich habe ja erst vor 7 Jahren mit Segeln angefangen. Es geht um Horizonterweiterung, aus dem Alltagstrott herauskommen, solange dies noch möglich ist, Familie intensiv Leben, Erfahrungen sammeln, Neues Lernen, sich den eigenen Fragen stellen, Verhindern von Übersättigung, Verfettung und schaler Etabliertheit, Herausfinden, was Heimat bedeutet, die gutsituierte Komfortzone nochmals verlassen, um sie auf ein Neues schätzen zu lernen.

 

Wunderbar sind folgende Dinge:

Nähe und Zeit mit der Familie; das Ankommen, wenn man schwierige Segelverhältnisse gemeistert hat; das Gefühl, wenn man ein technisches oder anderweitiges Problem selber lösen oder überstehen konnte; und vor allem inspirierende und berührende Begegnungen mit Menschen aller Art und die Dankbarkeit, die aus solchen Begegnungen entsteht. Das Unterwegssein an sich mit dem Schiff war bisher noch eher intellektuelle, technische und physische Herausforderung. Ich hoffe, dass das Segeln mit zunehmender Erfahrung noch mehr Entspannung und meditativer Genuss sein wird.

 

Hast Du Angst?

Ohja, durchaus auch. Ich bin ja nicht unbedingt ein alter Seebär. Unser Schiff ist wunderschön, stark und gut gebaut, aber halt wie jedes Schiff ein lebenswichtiges Zuhause, von dem man auf See abhängt. Bei einem Schiff ist man da aber sehr sensibel und manchmal fast zu aufmerksam. Und das Meer: ich habe grossen Respekt davor! Grosse Wellen, starker Wind, dazu Regen und Nacht: eine happige Mischung, auch für mich...

 

Was Nicoletta sagt:

Es ist wunderbar mit dir durch die Welt zu gehen! Du hast Mut wie ein Löwe für grosse Würfe und gleichzeitig bist du genau und ausdauernd bei kleinen Dingen. Du bist ein aufrechter Mensch und strahlst besonders, wenn du Musik machst oder tanzt. Ich tanze sehr gerne mit dir, zu Musik, durch die Wellen, durch den Wind. So ergänzen wir uns in vielem und sind uns seelenverwandt in Manchem. Im Anderssein bist du mir auch Herausforderung. Wie gut, dass es dich gibt!

(Nicoletta)